Verstand

Endloses Leiden durch Identifikation mit dem Ego – so löst du die Identifikation auf!

Ständig begleitet uns den Tag über eine Stimme. Sofort morgens, wenn wir aufstehen, fängt sie an und hört erst wieder auf, wenn wir einschlafen.

Diese Stimme kommentiert, beurteilt und leitet uns, ständig, jeden Tag, unser Leben lang.

Diese Stimme ist dein Verstand, dein Ego. Er erzeugt all unsere Probleme, lässt uns leiden und beschränkt unser Leben auf eine Art, die dem Wahnsinn gleicht.

Er gibt vor jemand zu sein, der wir in Wahrheit nicht sind.

Lass dich darauf ein

Ich werde dir deinen Verstand, also dein Ego, auf eine andere Art und Weise beschreiben, wie du vielleicht noch nie über ihn gedacht hast. Vielleicht irritiert und verwirrt es dich zuerst.

Versuche einfach dich darauf einzulassen und dir werden Möglichkeiten offen stehen, dein Leben leichter, harmonischer und erfüllter zu leben. Mit weniger Problemen, mehr Freude und Gelassenheit.

Die Gegenwart als Mittel für die Vergangenheit und Zukunft

Ist dir mal aufgefallen, dass du dir ausschließlich über die Vergangenheit oder über die Zukunft Gedanken machst? Du benutzt die Gegenwart, um entweder in Erinnerungen zu schwelgen, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu vergleichen, ob positiv oder negativ, oder Pläne für die Zukunft zu machen. Du siehst die Gegenwart immer durch eine Brille deiner Vergangenheit und auch deine Zukunft basiert darauf.

Meistens machen wir uns Sorgen über die Zukunft, haben Angst, wissen nicht was geschieht und ob wir damit umgehen können. Wir fühlen uns hilflos und leben in einer ständigen Angst, die uns dazu treibt alle möglichen Szenarien durchzuspielen und uns dann vermeintlich gut abzusichern. Nicht umsonst nehmen Versicherungen mit unseren Ängsten pro Jahr fast 200 Milliarden (!!) Euro ein.

Vor dem Tod haben wir die größte Angst, deshalb verdrängen wir ihn, leben als wären wir unsterblich, denken wir hätten noch genug Zeit. Die Vergangenheit macht uns mit zunehmendem Alter immer mehr Leid, denn welch ein Wunder, wir werden eben doch älter und leben nicht unendlich. „Ach, nochmal jung sein..“

Aus der Vergangenheit gehen so einige Probleme hervor, die dich heute in der Gegenwart beschäftigen und für deren Problem du Lösungen suchst. Vielleicht wurdest du in der Vergangenheit deiner Meinung nach nicht gut behandelt oder hast unschöne Erlebnisse erlebt, die dich heute einschränken. Vielleicht versuchst du heute deine schlechte Kindheit aufzuarbeiten. Vielleicht hast du ein negatives Selbstbild über dich.

Was ist es, was dich heute aus der Vergangenheit belastet und leiden lässt? An was denkst du überwiegend, und was beschäftigt dich dann? Wie fühlst du dich dann?

Deine permanente Stimme im Kopf raubt dir deine Lebenszeit

Und wenn du ständig denkst, wie präsent bist du dann noch in der Gegenwart? Wenn ständig eine Stimme in dir „spricht“, die dich davon abhält die Gegenwart wahrzunehmen?

Wenn du dich z.B. mit jemandem unterhältst, wie präsent bist du dann für deine Umgebung? Bekommst du mit, was um dich herum passiert oder schenkst du deinem Gegenüber deine volle Aufmerksamkeit?

Genau so verhält es sich mit deinem Verstand. Wenn ständig eine Stimme in dir spricht, du nachdenkst, bist du genau so wenig präsent für deine Umgebung. Du schenkst deine volle Aufmerksamkeit deiner inneren Stimme und blendest das Äußere aus.

Du nimmst dies zwar alles unbewusst wahr, aber nicht bewusst.

Und ist es nicht gerade unser Bewusstsein was uns Menschen so „besonders“ macht? Ist es nicht unser Bewusstsein, was es uns ermöglicht, bewusst leben zu können?

Aber wie häufig benutzen wir unser Bewusstsein dafür, um in der Gegenwart präsent zu sein? Paradoxerweise, benutzen wir unbewusst unser Bewusstsein dafür, um unbewusst zu sein – meist unser Leben lang.

Das alles klingt erschreckend, wenn ich bedenke, dass wir zwar hier leben, aber ausschließlich mit unserer Stimme im Kopf beschäftigt sind, als damit, unser Leben bewusst wahrzunehmen. Was denkst du momentan darüber? „Ach so wild ist das nicht.“?

Genau deswegen rast unser Leben an uns vorbei, genau deswegen heulen viele rum, dass der Urlaub, das Wochenende oder sonst was zu kurz war und viel zu schnell vorüber gegangen sind, weil sie ihre Zeit einfach nicht bewusst wahrgenommen haben.

Dabei ist Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart nicht mal real. Die Vergangenheit besteht nur aus Erinnerungen in deinem Kopf und die Zukunft sind nur Hirngespenster. Was aber real ist, ist die Gegenwart. Du bist jetzt gerade hier, es sind keine Vorstellungen!

Wie gut ist es dir möglich, einfach nur hier und jetzt in der Gegenwart zu sein? Deinen Raum, deinen Körper, deine Gedanken, Gefühle und die Ereignisse um dich herum wahrzunehmen? Wie lange hält es bei dir an, bis dein Verstand sich wieder meldet, alles kommentiert und ihm langweilig ist?

Darf ich dir dein Ego vorstellen?

„Hallo ich bin’s, dein Ego. Ich existiere, weil ich alle Ereignisse aus der Vergangenheit auf mich beziehe. Alles, was mir zugestoßen ist und was ich erfahren habe, beziehe ich auf mich, namens Ego. Ich bildete mir daraus Meinungen, welche Vorstellungen ich über die Welt habe und was ich von ihr erwarte. Daraus entstand meine Persönlichkeit, mit all meinen Stärken und Schwächen, was mich aus macht, wofür ich mich schäme, was ich mag und was ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Das alles bin ich, dein Ego. Ich suche in der Zukunft das wahre Glück und bin sicher es irgendwann zu finden.“

Klingt krass? Genau so ist es. Dein Ego ist die Summe all deiner vergangenen Erfahrungen, mit all deinen Meinungen, Vorstellungen, Urteilen, Bewertungen usw. Das ist deine „Persönlichkeit“. Für die meisten Menschen ändert sich ihre Persönlichkeit ihr ganzes Leben nicht mehr.

Dein Ego existiert nur aufgrund deiner Vergangenheit und kann in der Gegenwart nicht überleben, denn dann ist seine Geschichte weg, die es sich so mühsam aufgebaut hat und an die er festhält.

Denn er kann für dich in der Gegenwart nur existieren, wenn er sich an die Vergangenheit krallt und Erfüllung in der Zukunft sucht. In der Gegenwart gibt es immer etwas auszusetzen.

Das Paradies sucht er in der Zukunft, vergebens. Denn nie wird alles perfekt sein, immer wird es neue Vorstellungen über eine noch bessere Zukunft geben. In der Gegenwart würde er sterben – stirbt er.

Vielleicht kennst du auch diese Momente.

Diese Momente, in denen du einfach nur da bist, den Augenblick vollkommen genießt, an nichts denkst, und deine momentane Situation mit all deinen Problemen, Zukunftsängsten usw. völlig unbedeutend ist. Es reicht dir einfach nur aus, da zu sein, ohne etwas zu brauchen, ohne dir Sorgen zu machen, ohne zu Grübeln.

Kennst du diese Momente?

Genau dann gibt es kein Ego, das überleben möchte. Es existiert für diesen winzigen Augenblick nicht und somit hast du auch kein Leid, sondern kannst wahre Erfüllung erfahren.

Glaubst du deiner Stimme?

Was ist das Schlimme an unserem Verstand, dem Ego?

Es ist nicht wirklich schlimm, dass es da ist.

Ganz im Gegenteil, wir brauchen unseren Verstand im Leben, er soll uns dienen. Der Unterschied aber zwischen Dienen und Leiden ist, ob du glaubst, was dein Ego dir dein ganzes Leben über erzählt? Bist du mit deinem Verstand identifiziert? Glaubst du, du bist dein Verstand?

Wenn du das glaubst, dann wirst du dein Leben lang leiden, du wirst nie zufrieden sein, egal wie schön deine Lebenssituation auch sein mag.

Dein Ego wird dir endlos Leid bereiten

Dein Verstand ist eine Überlebensmaschine, der ausschließlich darauf ausgelegt ist. Er soll dein Überleben sichern, deswegen muss er Rückschlüsse aus der Vergangenheit für die Zukunft ziehen, um daraus lernen zu können.

Er sammelt, speichert und analysiert Informationen.

Er liebt es sich an Problemen festzubeißen und welche zu erschaffen, um sie dann zu lösen. Wobei er nie eine Lösung finden wird, sondern immer noch weiter in Leid versinken wird.

Er wird dir erzählen, dass nie alles gut ist, sondern dass du immer etwas brauchst, etwas kaufen musst, etwas tun musst, um glücklich zu sein.

Er wird dir erzählen, dass du erst etwas erreichen musst, jemand sein musst, damit du Anerkennung bekommst und geliebt wirst.

Er wird dir Leid, anstatt wahrer Liebe bringen, denn er kennt nur Liebe, die an Bedingungen geknüpft ist. Nur wenn diese erfüllt sind, kann er „lieben“. Wahre Liebe kennt aber kein Gegenteil, keinen Hass, kein Leid. Er kennt die wahre Liebe anderen gegenüber nicht, also auch sich selbst, dir, gegenüber nicht.

Er wird immer abhängig von anderen sein, die ihm Bestätigung geben, denn dadurch fühlt er sich gut und noch stärker.

Dein Ego hat sich seine Meinungen gebildet und möchte diese mit aller Gewalt verteidigen. Er fühlt sich schlecht, wenn er im Unrecht ist, möchte immer Recht haben.

Er wird dich endlos nach Erfüllung in der Zukunft suchen lassen, um am Ende (dem Tod) festzustellen, dass sie in der Zukunft nie gefunden werden kann.

Er hält dich in einer Illusion deines Lebens gefangen, indem du dein wahres Ich niemals kennen lernen wirst, sondern in dem du nur eine Geschichte, dein Ego, bist.

Alles Routine in deinem Kopf

Dein Verstand hat sich von seiner Geburt bis heute Verhaltens- und Denkmuster angelegt, die ständig ablaufen und dich steuern. Die Muster müssen sich nicht immer im gleichem Verhalten zeigen, sondern können sich in verschiedenen Arten und Weisen zeigen, wie du handelst.

Wie du heute denkst, hast du dir antrainiert. Denn durch häufiges Wiederholen bestimmter Gedanken, werden deine Nervenverbindungen im Gehirn stärker, es bilden sich Muster und dein Denken nimmt immer weider die gleichen Bahnen.

Wenn du zum Beispiel ein Gedicht auswendig lernen solltest, musstest du es sehr häufig wiederholen bis du es auswendig konntest. Somit hast du Nervenverbindungen ausgebaut und sie stärker gemacht.

Dein Verstand möchte es so einfach wie möglich haben, deswegen macht er am Liebsten immer dasselbe. So fahren sich Routinen ein und er muss weniger Kraft aufwenden. Wenn alles routiniert, also wie von alleine läuft, hat dein Verstand wieder viel mehr Zeit zum Nachdenken.

Wenn du eine neue Sache lernst, und voll konzentriert dabei bist, wie viel kannst du dann noch über deine Geschichte nachdenken? Wohl gar nicht.

Wenn du aber eine Sache routiniert kannst, wie zum Beispiel das Autofahren, dann fährst du z.B. deine Arbeitsstrecke und warst zwischenzeitlich so in Gedanken, dass du nicht einmal bemerkt hast, wie und welche Strecke du zurück gelegt hast. Kommt dir das bekannt vor? Du warst nicht hier!

Wir denken übrigens ca. 60.000 (!) bis 70.000 (!) Gedanken pro Tag. Davon sind 90 % der Gedanken nutzlos, gestört und negativ und genau die gleichen, die du gestern schon gedacht hast. Sowieso hast du nach ein paar Minuten wieder vergessen, was du gedacht hast.

Du bist der Sklave deines Verstandes

Du gebrauchst nicht deinen Verstand, sondern der Verstand gebraucht dich. Du bist sein Sklave, du bist süchtig nach dem Denken.

Kannst du für eine Minute dein Denken unterbrechen? Dieses ständige Grübeln, über irgendetwas nachdenken zu müssen?

Es ist eine Sucht, bei der du nicht mal weißt, dass du nicht aufhören kannst, du brauchst es zum Überleben. Die Geschichte muss ununterbrochen am Laufen gehalten werden, damit dein Ego- damit du- überleben kann.

„Ich denke, also bin ich“?, vielleicht kennst du auch den Spruch von Descartes.

Also nur weil ich denke, existiere ich? Wenn ich aufhöre zu denken, existiere ich nicht mehr?

Dieser Spruch entspricht nicht der Wirklichkeit. Wir sind auch, wenn wir nicht denken.

Erinnere dich an ein atemberaubendes Ereignis, wo du vollkommene Glücksgefühle hattest und deine Geschichte völlig unbedeutend war. Du warst da, auch ohne zu denken.

Allerdings hält dieser Moment bei den Menschen, die mit ihrem Ego identifiziert sind nur sehr kurz an, denn schon im nächsten Augenblick wird die Situation bewertet, verglichen und sich schon wieder um etwas Anderes Gedanken gemacht.

Entwickle einen inneren Beobachter

Was soll ich sonst sein, als mit meinem Verstand identifiziert?

Unseren Verstand können wir nicht ausschalten, er wird immer da sein, allerdings kannst du dich entscheiden, ob du ihm glaubst oder nicht.

Für den Anfang kannst du einfach nur mal beobachten, was du den ganzen Tag denkst und welche Gefühle damit verbunden sind.

Entwickele einen inneren Beobachter, der alles nur wahrnimmt ohne es zu bewerten oder daran zu glauben. Es sind einfach nur Gedanken in deinem Kopf, die nichts mit dir zu tun haben, sondern nur aus deiner Vergangenheit entspringen. Wenn du einen inneren Beobachter entwickelst, kannst du ausbrechen aus immer denselben Gedanken, die zu immer denselben Gefühlen und Handlungen führen.

Du bist weit mehr, als dein Verstand dir erzählt zu sein

Wer bin ich denn ohne mein Ego? Was bleibt?

Kannst du dich von deiner Geschichte lösen? Willst du dich von ihr lösen? Könntest du dir vorstellen, dass du auch jemand völlig anderes sein könntest, hättest du eine andere Vergangenheit gehabt? Wer wärst du dann? Was würde bleiben?

Du würdest bleiben, dein Körper, deine wahre Natur würde bleiben. Das ist es, wer du wirklich bist. Du bist nicht der, der du aufgrund deiner Vergangenheit geworden bist, deswegen kannst du auch jemand anderes werden.

Du bist das Bewusstsein hinter deinem konditionierten Verstand, der aus Automatismen und festgefahrenen neuronalen Verbindungen besteht. Du kannst dir dessen bewusst sein, dass du denkst, also bist du nicht dein Verstand, sondern etwas viel mächtigeres. Du bist das Bewusstsein!

Außerdem ist alles, was mit deinem Ego zu tun hat, veränderbar: Gewohnheiten, Verhalten, Meinungen, Einstellungen usw.

Aber mach nicht den Fehler und verfalle von dem einen „schlechten“ Ego in dein neues „gutes“ Ego, denn auch dieses hat die gleichen Probleme. Du wirst wahrscheinlich deine Gedankenmuster mitnehmen, sie würden sich nur anders äußern. Auch eine Persönlichkeitsveränderung lässt dich irgendwann wieder leiden, solange du mit deinem Verstand identifiziert bist und glaubst, was er dir pausenlos erzählt.

Du wirst frei sein

Bist du nicht mehr mit deinem Verstand identifiziert, kannst du Freiheit erlangen. Du wirst nicht mehr Sklave deiner Gedanken sein, unbewusst tun, was es dir befielt, sondern frei handeln und entscheiden können, gegen deine Muster.

Das erfordert allerdings Übung, denn dein Ego ist stark und möchte weiter überleben, deswegen ist es wichtig dir jeden Tag dessen bewusst zu sein. Beobachte deine Gedanken!

Versuch mal in die Stille zu gehen und zu meditieren. Das mag der Verstand überhaupt nicht, denn es gibt nichts zu tun, nichts zu sehen. Er wird ständig neue Gedanken auftauchen lassen, von einer Endlosschleife zur nächsten gehen.

Umso öfter du in die Stille gehst, umso öfter ist es dir möglich, die Aktivitäten deiner Gedanken runter zu fahren und einfach nur zu sein. Dir ist es möglich, deine Gedanken zu beobachten und wenn sie auftauchen gleich wieder gehen zu lassen. Das ist wahre Freiheit!


Hast du bereits Erfahrungen damit gemacht, deinen Verstand zu beobachten? Bist du schon in die Stille gegangen? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Wie gut gelingt es dir, frei von deinem Ego zu werden? Wie macht es sich bemerkbar?

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Kommentare 2

    1. Beitrag
      Autor

      Danke für deinen Kommentar. Ich werde es allerdings nicht ändern, zu viel “er” im Text. Außerdem ist es nur ein Wort, wir alle wissen, was damit gemeint ist und nur das Ego stört sich daran, dass es nicht richtig geschrieben ist.
      Liebe Grüße, Melanie.

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